
Mai
30
2017
Ein Abend im Gefängnis mit Marlise Pfander
Sie war die erste Gefängnisdirektorin der Schweiz und dies auch noch im härtesten Männerknast des Landes, dem Regionalgefängnis Bern (RGB): Marlise Pfander.
Mit viel Humor und Herzlichkeit erzählt die 67 jährige aus den 9 Jahren im RGB. Einst Kaufmännische Angestellte, Ehefrau und Mutter, wagte sie mit 54 Jahren den Schritt zur Veränderung und bewarb sich für das Amt als Gefängnisdirektorin. Quereinsteigerin, Frau, ohne Kaderausbildung – keine leichte Ausgangslage. Aber sie setzte sich durch und dies sollte auch bei anderen Entscheiden in den folgenden 9 Jahren so sein. Nicht zum Nachteil der Mitarbeiter und Insassen, sondern zum Vorteil in vielerlei Hinsicht.
Zum einen beäugten die übrigen Gefängnisleiter der Schweiz die Ankunft einer weiblichen Kollegin mehr als kritisch. Zum anderen galt das Regionalgefängnis Bern, in das auch ein Ausschaffungsgefängnis integriert ist, als schwieriger »Männerknast«. Die harten Bedingungen in der Untersuchungshaft (das RGB ist kein Vollzugs-, sondern ein Untersuchungsgefängnis) konfrontierten Marlise Pfander mit menschlichen und organisatorischen Problemen, die jahrzehntelang als unlösbar galten.
Mit viel Herz und persönlichem Engagement krempelte »s‘Chischte-Mami« den als »Pulverfass« bezeichneten Betrieb um. Sie entwickelte neue Strategien, schuf damit bessere Arbeitsbedingungen für ihre Mitarbeitenden und optimierte den Alltag der Inhaftierten. Sie führte sowohl streng als auch immer einfühlsam, mit Herz und Verstand, denn eines ist ihr bis heute sehr wichtig: die Insassen sind und bleiben Menschen!
Nichts blieb unversucht, so gab es für gutes Benehmen auch mal ein Schoggistängeli oder am Sonntag gab es eine Art „Knast-Brunch“. Bei sehr schwierigen Kandidaten liess sie sich ganz unkonventionelle Lösungen einfallen wie Kalender-Verträge. Jede Woche in der der Insasse am Stück „brav“ war, gab es eine Belohnung. Und es funktionierte! Sie suchte das Gespräch mit Mitarbeitenden und Insassen und hatte auch immer ein offenes Ohr für Kummer und Sorgen. So wurde sie nicht nur geschätzt sondern auch respektiert. Aber sie konnte auch durch greifen wenn es sein musste.
Eine wirklich grossartige Frau nahm uns eine Stunde lang mit auf die Reise durch ein unbekanntes Terrain, den Mikrokosmos Gefängnis – und wir hätten ihr gerne noch viel länger zugehört.
So verwundert es nicht, dass die Moneypennys auch beim Apero noch die eine oder andere Frage hatten an Marlise Pfander.
Wer mehr über diese spannende Frau erfahren möchte, der kann dies in ihrem Buch „Hinter Gittern – Mein Leben im Männerknast“ erschienen im Wörterseh Verlag oder via die „Reporter-Sendung“ aus dem Jahre 2013 von Roger Brunner.
Danke auch ans Restaurant Metropol und sein Team, das uns wieder mit wunderbaren Köstlichkeiten verwöhnt hat unter den Arkaden.















































































